ich kehre zurück

von

zumindest zu Andale Mono (meiner Schrift aus dem Kartenprojekt Verlies.Paradies, damals hab‘ ich so viele Texte geschrieben)

so viel, das mir gewiss war, ist es nun nicht mehr

das Laptop liegt seit langem in verschiedenen Winkeln der Wohnung, verschollen, unbenützt

heute wollte es lange nicht hochfahren

unbekannte Bildschirme leuchteten auf

in mir ein Gefühl, als schaltete ich nach langem Blackout

in einem umherirrenden Raumschiff, nach dem Hyperschlaf die Maschinen wieder ein, ich, eine Überlebende

wieviel Zeit inzwischen vergangen ist, weiß ich nicht mehr

Staubschichten wegwischen

eine Kurzzeiterinnerung

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GEWISS UNGEWISS

von Rudolf Müller

Mit Auszügen aus einem vatikanischen Verschlussdokument. In Causa Brand Kirche Windeln & Hölle.   ORATE ET MENTE ET PYROSIS (Beten um den Verstand – auch bei Sodbrennen)

Der Vorhang, ein roter Vorhang, dann noch ein Vorhang, ist da jemand zu Hause?

Kann mich jemand hören? Schrill ist der Schrei! Von woher kommt er, der Schrei?

Vom Haus da drüben? Vom Park daneben? Aus dem Kanal?

Ich fühle das schmerzliche Echo, von eben dort drüben, hinter mir streicht leiser Wind eine Melodie, der Nacken schmerzt. Ein roter Ballon am Himmel, unter mir leuchten die Sterne.

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Über SPLITTER Teil I – III

von Cosmick Charlie

Bis der im Titel „SPLITTER I – III“ Genannte tatsächlich erstmals nicht namentlich auftaucht, bekanntermaßen gewöhnungsbedürftig im Stil, sodass dieser zugunsten der zunehmend temporeichen Handlung in den Hintergrund tritt.

Es ist kein Geheimnis, hat er es im Titel leichter, nie leicht gemacht: steinhart wie Zaubernüsse, mit Beharrlichkeit Entdeckerlust oder auch Experimentierfreude, unverzagt, zu knacken gilt dies: das Film-Bild.

Unendlich erscheinende manisch-expressive Bild-gebildete-Bild-Bilder, unverwechselbare Markenzeichen des Filmschichtkratzers, vermutlich wieder mit größtmöglichem Einsatz hergestellt, der alles abverlangt hat.

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SEE THE LIGHT OF DAY

von Cosmick Charlie

A moment of sudden understanding or realization
after a period of confusion.
Room Doom
Human Red
Black Lady I & II
Finally
Human Poncho
Human Dance
Happy
CHEap Hope
Sun Ra I & II
Human Fun

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Leere Plätze

von Rudolf Müller

Vorher, damals, rastlos immerzu
Langsam, seltsam, Lichtstrahl, stumm
Vorher, damals, westwärts
Liebe, lange Schatten, leer
Fetzen, Teer und Worte, stumm

Auf leeren Plätzen Hauch Im Nebel
Hand und Himmel, klar und schwarz
Wort für Wort ins Satzgestrüpp
Ton um Ton fetzt Wind die Nacht

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der leere Raum

von Bruni Sand

Gedanken zu leben, schlafen, tot sein, verlassen, wiederbeleben

ausgelöst durch die Probe zu Sonanzen und immer noch und wieder durch das Räumen der elterlichen Wohnung

Wenn der Bewohner, die Bewohnerin nicht mehr in seiner, in ihrer Wohnung, die man räumen muss, ist – also nicht mehr dort lebt -, verwandelt sich dieser ursprünglich mit dem Bewohner belebte Ort sehr schnell, eigentlich schon nach wenigen Tagen in einen leeren Ort. Der leere Ort ist mehr als der verlassene Ort. Er ist sich selbst überlassen worden und weiß nichts mehr über sich.

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VOR DER ZEIT

von Rudolf Müller

Vor der Zeit lagen wir in grünen Wiesen
inmitten der unbenannten Ewigkeit
im Keim der Menschwerdung
hastig liebend
im Rausch dumpfer Hast
schielend
zum Himmel des Paradieses

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DAS MONDRAD

von Rudolf Müller

es war einmal

ein fischer zeigt uns den weg
ein zerronnener himmel
zwischen den wassern schlafen die geister
der dunkle nebel
still

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TAMRAM – ein Antikriegstext

von Rudolf Müller

König mandolin steigt ergriffen auf aramandus
seinen stier und trägt das banner des wahnsinns
in seinen schmalen oktopushänden

Wilde welt der kriege des mittelalters TAMRAM!

König maldomidius sitzt verkehrt auf seinem schimmel
und schnalzt mit der zunge zum angriff auf die
gefesselten sklaven mandolins

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Ausflug

von Bruni Sand

Die kleinen und großen Ausflüge in die Welt hinaus wurden oft eingeleitet mit den von meiner Mutter in fröhlicher Tonart gesungenen Sätzen: „Kinder, wir machen heute einen Ausflug! Aufstehen! Anziehen! Macht euch fertig!“

Je nachdem, ob wir in das Wien umgebende Alpenvorland zum Wandern fuhren, zum Beispiel zur Hohen Wand, zum Schneeberg, zum Sonnwendstein, zum Türkensturz oder ob wir einen Sonntagsausflug in Wien planten, wurden die entsprechenden Proviantvorräte und Bekleidungsstücke gewählt.

Wandern bedeutete: mein Vater nahm vom Wanderstock bis Ferngucker und Klappmesser verschiedenste für jeden nur erdenklichen Notfall nötigen Utensilien in seinem dann voll bepackten Rucksack mit. Die ganze Familie war professionell ausgerüstet mit festem Schuhwerk, Westen, Tücherln, Regenzeug, Proviantdosen und alles wurde von meinem Vater ausgeklügelt in unseren VW-Käfer eingeräumt, es folgte alles einem genauen Plan.
Oft war mein Vater nach dem Verstauen bereits das erste Mal Schweißgebadet und zum ersten Wanderhemden- und Unterleiberlwechsel bereit, meine Mutter frottierte ihm mit einem Handtuch den klatschnassen Rücken trocken, dann waren wir fürs erste Abfahrbereit!

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Waschtag

von Bruni Sand

Biographische Miniatur

Requisit:
Lederhandtasche schwarz, fünfziger Jahre Stil, abgewetzt, mit Tragegriff und einem Metallreissverschluss mit Einhängeschnalle, rechteckige Form, eigentlich ein Handköfferchen, durch das Abgegriffen Sein weich und Handangenehm, gefüllt mit Wäscheklammern aus Holz und buntem Plastik…. Unsere alte Kluppentasche, also eigentlich die Kluppentasche meiner Mutter für den Waschtag. Sie hatte die Handtasche offenbar irgendwann ausgemustert und zur Kluppentasche umfunktioniert.

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WASCHTAG UND FASTEN

von Bruni Sand

In meiner Familie herrschte oft Verzweiflung und Chaos.
Griechischen Tragödienhelden gleich irrten wir durch von den Schicksalsgöttinnen vorbestimmte Gefühlslabyrinthe. Wir begingen absichtslos verletzende Taten, die immer neue Verirrungen hervorbrachten. Wir schrien und weinten uns durch unsere Lebensfährnisse.

Doch immer wieder gab es helle Zeiten, durchwirkt von Zuversicht und Freude, ein Frohsinn lenkte dann die Handlungen und erstaunlicherweise hatten wir als gebeutelte Familie immer wieder auch die naive Kraft, an eine gute Zukunft zu glauben, in unsere eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

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AUF UND ABGESANG, AUF- UND ABGESANG, AUF UND AB GESANG

von Bruni Sand

AUF UND ABGESANG, AUF- UND ABGESANG, AUF UND AB GESANG

Meine erste Idee war, einen Abgesang zu verfassen auf all die möglichen und unmöglichen Verirrungen meiner naiven Seele, meine Idealisierungen und Romantisierungen.

Wahrscheinlich wollte ich eher eine ABRECHNUNG verfassen, eine Abrechnung auch mit mir selbst.

Wie oft hatte ich als Mädchen schon, später als eine Junge, noch später als eine Ältere, jetzt als eine noch Ältere hinter den Männerwesen her geträumt, mich zu ihnen hingedacht, hin- und weggeschrieben, auf- und abgefühlt: hinter den Burschen vom Land, den unbedarften, hinterhergesehnt, oh, wie schön, wie klug, wie stark, wie anziehend, könnte ich ihnen doch näherkommen, immer ein innerer Dialog mit mir selbst, immer eine Projektion auf diese Wesen, angehimmelt, angepriesen von mir, heimlich, intensiv, hingebungsvoll, unbeantwortet, unerfüllt…

Wer waren diese Sehnsuchtsobjekte, wer war ich? Immer schon und immer wieder!

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Frost, frierend… jeux fixes edition

von Bruni Sand

Finger klamm
geschlossen um den Henkel des Kanisters
Heizöl holen
von der Tankstelle

die Hände wechseln beim Tragen
immer eisiger, immer klammer der Griff
abstellen, Reifluft ausatmen
rechte Seite, weiterkämpfen, linke Seite,

der kleine Kinderkörper wankt,
Schneematsch am Gehsteig,
noch weit bis zum Haustor
Handelskai 418

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ELEFTHERIA

von Rudolf Müller

FREIHEIT

Was bedeutet Freiheit, wenn wir doch in einer Demokratie leben?
Wir leben, machen was wir wollen, sind egoistisch, unsolidarisch, wir leben unser Leben, ohne groß auf die Bedürfnisse anderer einzugehen? Ich stelle diese Frage bewusst und beantworte sie mit einem eingeschränkten JA!

Wir fahren nach Griechenland und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen, essen Souvlaki, trinken den süßen griechischen Wein, den wir auch noch blumig besingen und lassen uns mit Schiffen und Fischerbooten die Wellen durchpflügen – von einer Insel zur nächsten, wir fahren in die hintersten Winkel des Landes, wir durchwandern unzählige Schluchten, die wir ansonsten und woanders nie durchwandern würden, weil es anderswo viel zu heiß wäre für solch eine Expedition, nur in Griechenland tun wir das, es gehört zu unserem Repertoire eines erfüllten Griechenlandurlaubs.

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HARD DAY & BOILED BRAIN

von Rudolf Müller

Neuronitis vestibularis links rechts links rechts links rechts
U-Bahn Traum, U4 Längenfeldgasse Vienna Calling
Nierenkolik, Gallenkolik, Hirnkolig, Hard Day, Boiled Brain

Frau im roten Ledermantel, Mann mit Trauerflor und Steirerhut
tiefer Finger – der Planet ist längst am/im Arsch
Übelkeit, Betablocker Unverträglichkeit, besinnungslos das Leben
Schwarzfahrer werden sofort erschossen, kein Pardon am Damenklo

Türen öffnen, Einstieg in Richtung Höllenschlund
Rechts ist Platz, ein Platz für Zwei
Herr im Trauerflor, die Frau ist nackt und drall unterm Lederkleid

Die U-Bahn als Erotikshop, gratis laut und unverhohlen
Wie Übelkeit nach Doxybene

Schwarze Träumer werden abgeschoben
Mann mit Trauerflor und Steirerhut und Ständer
Rhythmus laut und Ledermantel rot und grell
Nebenplätze werden frei, Rhythmus, Reibung, Rhythmus, Reibung
mehr Profit, die Erotik unsres kalten Lebens!

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Meine Gefühle wie eine Partitur strukturieren

von Bruni Sand

Meine Gefühle wie eine Partitur strukturieren

Andante espressivo – leicht, etwas rasch, aber leicht

wir tanzen am Kopfsteinpflaster,
zählen den Takt,
lang-lang-kurz-kurz-laaang-laaang,
schwebend sollte es sein,
irgendwann dann,
nach einigen Monaten Tanzschule,
am Fleischmarkt,
wir stolpern dahin,
Schwedenplatz mit schwarzglänzendem Asphalt,
wir Gymnasiasten
immer auf der Heimfahrt haben wir
noch den Foxtrott im Ohr,
klamm waren sie, die Hände
des ungelenken Tanzpartners
im Saal, grell,
aber jetzt sind wir ja im Freien,
im Straßenlampenlicht,
wir hüpfen im nachhallenden Takt,
sidestep, Drehung, Ferse, Spitze,
schleifen, und wenn wir einander ganz kurz
nicht auf die Zehen steigen,
sind wir überschwänglich,
lachen, lachen,
nächste Straßenbahn vorbeifahren lassen,
die Wangen heiß,
die Novembernacht kalt,
wir spüren es nicht…

Allegro non troppo – etwas rasch, aber zart, dann mit Ausdruck

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Die Sonne brennt mir ins Gesicht

von Rudolf Müller

Die Sonne brennt mir ins Gesicht
Wie einst im Juli damals
das Jüngste Gericht
Dunkelheit – kein Licht, kein Licht

Nur das Vergessen
Heisser Schmerz verglüht das Meer
Ein Schimmer in den Wiesen
Und Dein Gesicht
Voll heller Strahlen Upside Down

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„Was war früher immer im Oktober?“

von Bruni Sand

Universität, Semester Anfang, das bedeutete

Beginn vor Aushangkästen stehen
Herbst Inskription
Luft Überforderung
Studentin sein Blackout
Straßenbahnfahren Luft im Kopf
Votivkirche Leselähmung
Votivpark nichts aufnehmen können
Anatomieinstitut sofort
Vorlesungssaal beim Anblick der
Sezierkittel Aushängetafeln
Selbstgeschneiderter Rock Blickstarre
breiter Gürtel mitschwimmen
Vintage Seidenbluse nicht dazugehören

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ALLMACHT

von Rudolf Müller

Ich bin der Innenminister
Ich bin der Außenminister
Ich bin der Frauenminister
Ich bin der Kinderminister
Ich bin Kulturminister
Selbstverständlich bin ich Tierminister
Unmissverständlich Justizminister
Ich bin der schlanke Scharfmacher
Ich bin der flinke Scharfrichter
Ich bin der gütige Kanzler     Chor: Er ist der gütige Kanzler

Ich bin die Ordnung und das Gesetz
Ich bin das Gehirn des Volkes
Und wenn es mir nicht folgt, dieses Volk
Ja dann gibt es bald kein Volk mehr

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DIE KISTE

von Rudolf Müller

Er kauert in einer dunklen Ecke
Zeit und Raum vergessen
Eine Tasse Tee
Vielleicht ein kurzes Gebet ins Leere
In seiner Ecke vertieft, verlassen
Es ging um dramatische Maßnahmen
Erotik, Existenz, die stummen Anderen
Einatmen, ausatmen
Die Begrenzung des Raums
Seine Augen geschlossen
In einer dunklen Ecke
Die geheimnisvolle Kiste

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HAPPY SUNDAY FEELING

von Bruni Sand

Meine Eltern hatten an manchen Sonntag Nachmittagen ein fröhlich – leichtes Lebensgefühl, ganz im Gegensatz zu den meisten glücklosen, weil überfordernden Alltagszeiträumen, in denen mein Vater müde war vor oder nach der Arbeit, enttäuscht von dem, was aus seinem vorfamiliären Junggesellenleben in der weiten Welt geworden war: Geldsorgen, Kinder, Perspektivlosigkeit… sein Leben wurde zu seinem unglücklichen Schicksal! Meine Mutter versuchte all das träumerisch-naiv zu übersehen, was sich als Katastrophe langsam anbahnte. So war es meist.

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Auftrittsangst, luftig und leicht

von Bruni Sand

ich war zehn Jahre alt, als ich Klavierspielen lernte
in einer Musikschule der Stadt Wien

Frau Professor Behar war zart und hart
schwarzes, kurz geschnittenes Haar
extrem kurz geschnittene Fingernägel
dünnrandige Brille,
ihre Klavierspielerfinger immer in Übungshaltung, immer am Anschlag gekrümmt
den Drill, dem sie offenbar in ihrer Ausbildung in Bulgarien ausgesetzt war
(sie war sicher eine Musterschülerin gewesen)
diesen unerbittlichen Drill gab sie eins zu eins, klopf, klopf, klopf
an uns Schüler weiter

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Das Griechenland unserer Seele

von Bruni Sand

Ich sehe verrostete Eimer, darin trockene, rissige rötlichbraune Erde, einige dürre Blütenreste, die Straße liegt brach unter der Sonne.

Auf meinem Weg zum Meer Steine, Felsspalten, flirrendes Blau.

In welche Gestalt gewandelt bin ich? Ich? Welches Ich?

Die Verwandlung erkenne ich immer mit Erschrockenheit, so radikal, so von dem innersten Inneren ausgestrahlt in meine Wahrnehmung. Ich werde ihrer gewahr, wahrhaftig wahr, die Schönheit der Seele, oder soll ich es Klarheit des Geistes nennen? Dieses reine und vollkommene Glücksgefühl, diese Seligkeit hat zugleich wieder meinen ganzen Körper erfasst: ich trage wieder weiße Gewänder und binde mir Tücher Turbangleich ins Haar, meine Haut bronzefarben und von feingoldenem Staub überzogen.

Ich atme Luft, ich bin die Luft, bin Thymian und Rosmarin, ich schaue den Himmel, das Blau, ich bin die Weite, ausgestreckt über mir, ich hebe den Stein, warm und glatt in meiner Hand, gewölbt, ich stehe mit Blick zum Horizont, oh Meer, oh Wind, oh Ferne, oh Zeit…oh du ewige und alte Zeit…

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Mein Nachsommer, immer schon

von Bruni Sand

Das Bild, das ich sehe: eine Kartenspielende Gesellschaft, an kleinen Tischchen sitzend, unter Bäumen, leichter Wind kommt auf, Blätter fallen langsam zu Boden.

Ich bin achtzehn Jahre alt, es ist September, der letzte Tag meiner Ferialpraxis als Kellnerin in der Meierei am Stadtpark. Ich stehe seitlich am Rande dieses Bildes, das sich mir schon in dem Augenblick des Gewahr Werdens als ewiges Standbild eingeprägt hat und zu einer meiner immer wiederkehrenden Erinnerungssequenzen wurde.

Die älteren Damen und Herren halten reglos ihre Karten in Händen, es ist ganz still, nur die Blätter fallen stetig, jede andere Bewegung scheint eingefroren.

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