zumindest zu Andale Mono (meiner Schrift aus dem Kartenprojekt Verlies.Paradies, damals hab‘ ich so viele Texte geschrieben)
so viel, das mir gewiss war, ist es nun nicht mehr
das Laptop liegt seit langem in verschiedenen Winkeln der Wohnung, verschollen, unbenützt
heute wollte es lange nicht hochfahren
unbekannte Bildschirme leuchteten auf
in mir ein Gefühl, als schaltete ich nach langem Blackout
in einem umherirrenden Raumschiff, nach dem Hyperschlaf die Maschinen wieder ein, ich, eine Überlebende
wieviel Zeit inzwischen vergangen ist, weiß ich nicht mehr
Staubschichten wegwischen
eine Kurzzeiterinnerung
ich tanze auf einer plateauartigen Erhebung über der Innenstadt, ein angesagter place to be, so vermute ich alsbald
der beat war recht laut und es fiel mir nicht schwer, meinen body zu moven, ja sogar eine unbeschwerte Sommerfröhlichkeit in mir hochzuschaukeln
die Blicke der Umstehenden belustigt, die leeren Gesichter der gleichgeclonten Schönen suchten und erkannten einander, müsste ich mich auf diesem Marktplatz beweisen, ich würde glatt aussortiert, kein Mehrwert
die rohe, die unverhohlene Gewalt
das offensichtliche Unrecht, die frohlockende Grausamkeit
alle klatschen
ich war so gewiss, dass diese Zeiten vorbei sind
dass das Zarte und Liebevolle, das Bedächtige und Zweifelnde und Abwägende seinen gewissen und festen Platz bei uns Menschen gefunden hätte
dröhnend poltern die Unbeschwerten
overselfconvinced
vielleicht schenkt oder ermöglicht das UNGEWISSE einen Raum des Innehaltens oder geht sich das zeitlich gar nicht mehr aus?
Eine entschiedene Entschlossenheit, den faschistisch-destruktiven Umwälzungsplänen in Österreich, im europäischen Raum, im Osten, im Westen eine Verteidigung der Demokratie, der Toleranz, der Solidarität entgegenzuhalten… das muss jetzt sein, GEWISS. Ungewiss, ob das Monster noch aufzuhalten ist.
In mir auch eine ungewisse Angst, deutlich mehr als Sorge.
Ich telefoniere mit meiner Mutter wie jeden Tag. Sie ist eine meist fröhliche, noch immer dominante Alte.
Sie fragt mich unvermittelt: „Und wie geht’s der Susi heute?“
Oje, ich bin geschockt kurzzeitig. Dann springt ihr Gehirn wieder auf NORMALO zurück und das Gewisse bekommt wieder die Oberhand über den nebeligen Brain-Servereinschub.
Juhu, passt wieder.
Beim nächsten Gespräch sucht sie ihr Handy. Ich sage: „Mama, wir telefonieren gerade mit deinem Handy!“ Ratter, Ratter…
„Ah ja, wie dumm von mir, da siehst du, so ist das jetzt eben!“ Das sagt sie oft in letzter Zeit.
Eine Ansage für den Zustand. So ist das jetzt eben.
Ich gehe seit Neuestem ins Fitness Studio. Genauer gesagt, ich bin angemeldet und hatte meine erste TrainerINNENSTUNDE.
EINE COOLE AMERIKANERIN. Sie wird mir helfen, strength aufzubauen, den body zu shapen. Sie sagt: „Suzie, hold that baby tight!“, wenn ich die Griffe der machine zu locker angreife, das macht nämlich dann bald Sehnenprobleme…
Nach dem ersten Training gehe ich aufrecht und supermotiviert und lächelnd mit der totalen Motivation auf die Straße, YEAH!!
Nach zwei Tagen bin ich krank.
Meine Kinder beglückwünschen mich, zum Fit werden, zum Gesund werden.
Ich sage es wie eine Beschwörung: Gewiss haben Rudi und ich noch Zeit. Füreinander. Gewiss ist das halt gar nicht. Und Zeit, ich, für mich und meine Vorhaben?
Am Tag, als Niki Glattauer begleiteten Suizid beging, konnte ich nicht aufstehen. Wellen von Schwindel und Übelkeit, wogendes Treiben ohne festen Grund. Ich atme laut und stöhnend aus, es klingt schmerzhaft, aber mich lässt es die Konzentration halten. Ich glaube jeden Moment, das Bewusstsein zu verlieren.
Die Gewissheit der eigenen Todesstunde hat eine schneidende Klarheit. Das Blau des Himmels, es zu sehen und gleichzeitig zu wissen, man sieht es jetzt zum allerletzten Mal, das grelle Licht der Sonne, brennt in die Seele, in die Wirklichkeit, in die Immanenz Löcher…
Gewiss ungewiss gewiss gewiss ungewiss